„Grünau bewegt sich“ erhält Präventionspreis der Deutschen Adipositas-Gesellschaft

Für seinen innovativen Ansatz zur Kindergesundheitsförderung wurde das Leipziger Projekt „Grünau bewegt sich“ von der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG) und der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA) mit dem Präventionspreis ausgezeichnet. Das Projekt zielt darauf, die Entwicklungschancen von Kindern durch Veränderungen in ihrem direkten Lebensumfeld zu verbessern und dabei Bewohnerinnen und Bewohner miteinzubeziehen. Modellhaft erprobt wird der Ansatz seit fünf Jahren im Leipziger Stadtteil Grünau. Die Sozialwissenschaftlerin Dr. Ulrike Igel von der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK Leipzig) nahm den Preis während der 35. Jahrestagung der DAG am 19. September 2019 in Kiel entgegen.

Der Präventionspreis wird seit 2010 an Projekte verliehen, die ein gesundes Körpergewicht bei Kindern und Jugendlichen fördern und deren Ansatz auf andere Städte übertragbar ist. „Grünau bewegt sich“ erfüllt diese Kriterien in besonderer Weise und wurde daher – gemeinsam mit einem weiteren Projekt – von einer unabhängigen Jury aus 15 Bewerbungen ausgewählt. „Die Auszeichnung bestätigt uns in unserem eingeschlagenen Weg und ist gleichzeitig ein wichtiges Signal für alle, die wie wir an der Verbesserung der Lebensbedingungen für Kinder und Familien arbeiten“, freut sich Prof. Wieland Kieß, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Leipzig und einer der zwei Projektleiter von „Grünau bewegt sich“.

Laut aktuellen Studien ist beinahe jedes zehnte Vorschulkind übergewichtig. Je nach Wohnort und Stadtteil sind die Chancen für ein gesundes Aufwachsen unterschiedlich ausgeprägt. Allerdings erreichen traditionelle Strategien zur Gesundheitsförderung Familien in schwierigen sozialen Lagen in der Regel nicht. „Grünau bewegt sich“ hat daher einen Ansatz gewählt, der vom Gemeinwesen ausgeht. Das bedeutet: Das Wissenschaftlerteam hat die Interessen und Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner des Stadtteils erkundet, berücksichtigt und daraus Handlungsmöglichkeiten abgeleitet. „Die Anerkennung besonderer Lebens- und Arbeitssituationen und die Stärkung von Selbstwirksamkeit sind elementar für nachhaltige gesundheitsförderliche Veränderungen. Das betrifft alle Beteiligte, also sowohl verantwortliche Akteure – wie Eltern, Erzieher, Lehrer oder Nachbarn – als auch die Kinder selbst“, so Projektleiterin Prof. Gesine Grande von der HTWK Leipzig.

Im Rahmen von „Grünau bewegt sich“ entstanden unterschiedliche Anregungen für mehr Bewegung im Alltag und für eine bessere Ernährung bei Kindern. Beispielsweise markierte das Projektteam gemeinsam mit Grundschulkindern mehrere Wege bunt, um mehr Spielgelegenheiten im Stadtalltag zu bieten. Außerdem entwickelte das Projektteam gemeinsam mit den Kindertagesstätten im Quartier verschiedene Aktionen, die Vorschulkinder spielerisch über gesunde und ungesunde Lebensmittel informieren.