Gesund essen lernen – Erfahrungsort Kita

child-559415_1920_kein-bildnachwei-erforderlich Seit Frühjahr 2016 bringt „Grünau bewegt sich“ Maßnahmen zur Förderung gesunden Ernährungsverhaltens auf den Weg. Wichtigster Interventionspartner sind die Kindertagesstätten, über die möglichst viele Grünauer Kinder erreicht und nachhaltig gefördert werden können. Eine ernährungspädagogische Qualifizierung von Erzieherinnen und Erziehern, die partizipative Erstellung und Nutzung gesunder Vesperpläne und erlebnisorientierte Ernährungstage für Vorschulkinder bilden die zentralen Säulen des Interventionsprogramms.  

Bereits im frühen Kindesalter bilden sich Nahrungsvorlieben und Essgewohnheiten heraus, die nicht nur Einfluss auf die kindliche Entwicklung, sondern auch auf das Gesundheitsverhalten im späteren Erwachsenenleben haben. Geprägt werden gesundheitsrelevanten Einstellungen durch die wichtigsten Bezugspersonen der Kinder: an erster Stelle natürlich durch die Eltern und die Familie, aber ganz entscheidend auch durch Erzieherinnen und Erzieher. Denn einen Großteil ihrer Zeit verbringen Kinder in dieser wichtigen Entwicklungsphase in den Kindertagesstätten. Hier können sie gemeinsam spielen, lernen, sich bewegen und auch essen. Dadurch wird die Kita zum idealen Ort, um das Gesundheitsverhalten von Kindern unabhängig von ihrer soziokulturellen Herkunft positiv zu beeinflussen. Doch welche solcher frühzeitig ansetzenden Interventionen sind tatsächlich geeignet, um langfristige Verhaltensänderungen zu bewirken? Welche sind überhaupt möglich und welche realistisch? Nur, wenn diese Fragen hinreichend beantwortet werden können, lassen sich Interventionen gezielt planen und umsetzen. Und nur so lassen sich auch langfristige Erfolge erzielen.

Um die Potenziale, Ressourcen und Bedarfe in den Grünauer Kindertagesstätten zu bestimmen, wurden auch zum Projektstart von „Grünau bewegt sich“ alle Kitaleiterinnen und -leiter in persönlichen Interviews zu ihren einrichtungsspezifischen Gesundheitsbelangen befragt. Die hieraus abgeleitete Bedarfsanalyse stellt nun eine fundierte Grundlage für mögliche Interventionen dar.

Ganz deutliche Probleme, das hat die Auswertung der Interviews gezeigt, gibt es beispielsweise bei der gesunden Kinderernährung. Allen voran das „typische Brotbüchsenproblem“ – das ist gemeint, wenn Eltern statt Vollkornbrot, Joghurt und Apfel lieber Muffin, Milchschnitte und Gummibärchen in die Brotbüchse legen. Das Problem betrifft beinahe alle Einrichtungen, mit Ausnahme derer, die bereits auf Vollverpflegung durch einen Caterer umgestellt haben oder das gesamte Frühstück und/oder Vesper durch die Erzieherinnen und Erzieher zubereiten lassen. Wobei auch das, so die Aussage einiger Leiter*innen, nicht ganz unproblematisch ist, treffen dabei neben dem generellen Zeitmangel auch verschiedene Ernährungsansichten innerhalb des Erzieherkollegiums aufeinander.

„Grünau bewegt sich“ hat diese Bedarfsfeststellung im Kontext gesunden Ernährungsverhaltens zum Anlass genommen, Interventionen zu entwickeln, die gezielt an diesen Problemen ansetzen. Im Fokus stand dabei folgende Fragen: Welche Strategien sind am besten geeignet, um gesundheitsrelevante Veränderungen auf Verhältnis- und Verhaltensebene im Setting „Kita“ auf den Weg zu bringen? Und wie können Interventionen so in den Kindergartenalltag implementiert werden, dass sie eine möglichst große Wirksamkeit entfalten?

In Beantwortung dieser Fragen wurden seit Anfang 2016 verschiedene Maßnahmen angestoßen, von denen einige nunmehr abgeschlossen, andere sich nach wie vor in praktischer Umsetzung befinden. Allen Maßnahmen haben das gemeinsame Ziel, sowohl auf struktureller (Kita-Einrichtungen) als auch auf individueller Ebene (Familien, Kinder) Veränderungen im Ernährungsverhalten der Kinder zu bewirken.

1. Qualifizierung von Erzieherinnen, Erziehern und Elternapple-749847_1920

Kinder zu einem selbstbestimmten und eigenverantwortlichen Umgang mit Essen und Trinken zu befähigen, setzt eine gezielte und passgenaue Qualifizierung von Eltern und pädagogischem Personal voraus. Mit diesem Anliegen ist Ulrike Spielau, Präventions-Managerin am Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen, für „Grünau bewegt sich“ im Stadtteil unterwegs. 10 Einrichtungen hat sie bereits aufgesucht, um Erzieherinnen, Erzieher und Eltern entsprechend des verhältnispräventiven Projektansatzes als Multiplikatoren für gesundes Ernährungsverhalten zu qualifizieren.

In speziellen Fortbildungen sensibilisiert die Ernährungswissenschaftlerin Erzieher*innen für die Bedeutung gesunder Ernährung und gibt Anregungen für kreative Aktionen und Spielideen zur Ernährungsbildung und pädagogischen Gestaltung im Kindergartenalltag. Elternabende nutzt sie, um Eltern leicht umzusetzende Handlungsempfehlungen für eine gesunde Ernährung mit auf den Weg zu geben. Auf interaktive Weise vermittelt sie die wichtigsten Ernährungsregeln, zeigt auf, welche Lebensmittel in die Brotbüchse gehören (und welche nicht) und gibt Tipps für die schnelle und unkomplizierte Zubereitung von gesunden Snacks. Auch Sommerfeste oder Eltern- Cafés nutzt Ulrike Spielau für interaktive Bildungsangebote zu gesunder Ernährung.

2. Hilfe zur Selbsthilfe: Intervention Mapping zur Erstellung gesunder Vesperpläne

Seit April vergangenen Jahres bereiten Ulrike Igel und Martina Lück mit der Grünauer Kita „Knirpsenland am Königsstein“ eine Intervention zur gesunden Vespergestaltung vor – nun, im Januar 2017, soll die Umsetzung beginnen. Die lange Vorbereitungszeit war nötig geworden, um das Programm gut aufgleisen zu können, ohne dabei die Abläufe und Rahmenbedingungen der Kita übermäßig zu strapazieren.
Ziel der Intervention ist, die ausgewählte Kita bei der Erstellung von gesunden, abwechslungsreichen und kindgerechten Vesperplänen zu unterstützen. Die Projektmitarbeiterinnen nutzen dafür die Methode des Intervention Mapping – eine schrittweise Anleitung zur Umsetzung von gesundheitsbezogenen Anliegen unter Verwendung von theoretischen Rahmenmodellen. Das Besondere am Intervention-Mapping-Ansatz ist, dass alle Akteure der Intervention, also Kita-Leitung, Erzieherinnen, Erzieher und Eltern in die Planung und Umsetzung der Intervention einbezogen werden. Dieses hohe Maß an Partizipation hat den entscheidenden Vorteil, dass die Akzeptanz für die Maßnahmen steigt, was zum einen ihre Umsetzung erleichtert und zum anderen zu einer größeren und nachhaltigeren Wirksamkeit führt. Der Intervention Mapping Prozess wird durch Ulrike Spielau vom IFB AdipositasErkrankungen unterstützt, die den Beteiligten als ernährungswissenschaftliche Beraterin zur Seite steht.

3. Ernährungstage: Gesunde Ernährung für Vorschulkinder

gesunde-ernaehrung_sep2016_003Zweimal im Jahr lädt „Grünau bewegt sich“ Vorschulkinder aus Grünauer Kitas ein, um über gesundes Ernährungsverhalten aufzuklären. Ein erlebnisorientiertes Mit-Mach-Programm erweitert das Ernährungswissen der Kinder und vermittelt ihnen eine positive Einstellung zu gesundem Essen. Unterstützt wird das Projektteam dabei von Ernährungswissenschaftlerinnen des Adi-Teams der Leipziger Universitäts-Kinderklinik und des IFB AdipositasErkrankungen.